00:11
Willkommen bei Mordlust, einem Podcast über wahre Verbrechen, produziert von der Partner in Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bummens. Mein Name ist Paulina Kraser.
00:20
Und ich bin Laura Wohlers. In jeder Folge erzählen wir euch von einem Kriminalfall aus Deutschland. Dabei schauen wir uns juristische, psychologische und gesellschaftliche Aspekte an und sprechen mit Menschen mit Expertise, Beteiligten oder Betroffenen.
00:32
True Crime heißt eben auch, dass hinter jedem Fall echte Menschen und ihre Schicksale stehen. Das solltet ihr beim Hören nicht vergessen. Wir berücksichtigen das auch bei unserer Arbeit. Wenn ihr merkt, dass euch bestimmte Themen nicht gut tun, dann passt lieber auf euch auf und skippt die Folge. Und weil wir bei all der Schwere zwischendurch aber mal Luft brauchen, erlauben wir uns auch manchmal kleine Abschweifungen. Das ist aber natürlich nicht respektierlich gemeint.
00:57
Bevor uns unsere heutige Folge an einen Ort führt, an dem der Wald alles zu verschlucken scheint, wollen wir erst noch mal über einen anderen Fall mit euch sprechen.
01:06
Genau, denn vor nicht allzu langer Zeit hatten wir einen Fall anrecherchiert, den wir beide ja schon sehr lange kennen und den wir unbedingt mal hier erzählen wollten. Wir hatten auch schon Kontakt mit Teilen zu der Familie und so. Aber dann, und so ist das leider manchmal bei der Recherchearbeit, Konnten wir dann nicht weitermachen, denn ein Familienmitglied hatte uns mitgeteilt, dass sich die Familie jetzt erstmal auf eine andere Veröffentlichung konzentrieren möchte, um genauer zu sein, auf einen anderen Podcast, der diesen Fall, der ihnen natürlich auch furchtbar wichtig ist, sehr detailliert aufarbeitet.
01:43
Und wir haben natürlich die ganze Zeit gerätselt, okay, wer macht jetzt was darüber?
01:47
Und waren dann sehr froh, als wir erfahren haben, dass die Familie die Chance bekommen hat, mit dem Stern zusammen eine Podcast-Reihe zu machen über den Fall der kleinen Hilal. Und dieser Podcast ist jetzt draußen.
01:59
Ja, und wir hatten ja auch das Glück, auch mal schon vorher reinhören zu dürfen in den Podcast Hilal. Und ich muss sagen, dieser Fall, wie du schon gesagt hast, Paulina, der war ja schon immer auf unserer Liste. Das ist einer dieser Fälle, der uns ganz lange begleitet hat, weil es geht eben um Hilal, ein kleines Mädchen, ein zehnjähriges Mädchen, das am 27. Januar 1999 aus Hamburg-Lorup verschwindet. Und zwar war sie ja ungefähr in dem Alter, in dem wir auch waren.
02:27
Und sie wollte eben nur kurz Huba-Buba-Kaugummis kaufen, weil sie sich so über ihr tolles Zeugnis gefreut hat und ist dann nie wieder zurückgekommen. Und ich kann mich eben noch ganz genau daran erinnern, weil meine Oma, die ja auch damals in Hamburg gelebt hat, die Omsen, die hat sich solche Sorgen gemacht, Wie viele andere Eltern in dieser Zeit natürlich auch, weil eben nicht klar war, was ist passiert und wie kann ein Kind am helllichsten Tag, das nur mal eben gegenüber kurz zum Sparmarkt gehen wollte, wie kann das verschwinden?
03:04
Und ich dachte, ich weiß schon viel über den Fall, aber durch den Podcast jetzt habe ich noch ganz, ganz, ganz viel gelernt. Zum Beispiel, dass es unter anderem mehrere Verdächtige gab, dass es Hinweise auf Fehler in der Polizeiarbeit gab und auch, wie es der Familie geht. Also von uns eine ganz, ganz große Empfehlung, diesen Podcast anzuhören.
03:23
Genau, die erste Folge, die könnt ihr auch schon auf allen Plattformen kostenlos hören. Es wird jede Woche eine neue Folge erscheinen. Wenn ihr allerdings durchbündigen wollt, dann habt ihr natürlich auch mehrere Möglichkeiten, das sofort schon zu tun. Es gibt insgesamt neun Folgen, also auch wirklich viel Material zum Hören. Und wir hoffen, euch wird der genauso gefallen wie uns. Und, das muss man halt auch dazu sagen, nachdem wir den jetzt gehört haben, sind wir jetzt auch nicht mehr so traurig, dass wir zumindest jetzt gerade keine Folge dazu veröffentlichen. Ja.
03:49
Soviel zu Hilal und jetzt sprechen wir über unseren Fall für heute, bei dem ein paar mehr Menschen eine Rolle spielen. Deswegen bitte gut aufpassen. Fast alle Namen haben wir geändert.
04:00
Es ist ein Sommertag im Juni 2020, als sich die Holztür des Polizeireviers Großenhain in Sachsen öffnet. Zwei Frauen betreten an diesem Dienstag das unscheinbare Gebäude mit der hellen Fassade. Sie wollen einen Mann als vermisst melden, erfahren die BeamtInnen, die an diesem Abend im Dienst sind. Die Jüngere der beiden stellt sich als Greta Keiling vor und sagt, ihr Mann sei seit mehreren Tagen verschwunden und nicht erreichbar.
04:27
Die Frau ist Anfang 30, die dunklen Haare fallen ihr über die Schultern. Die ältere Frau neben ihr wirkt besonders besorgt. Der Vermisste sei ihr Sohn, sagt sie, und es sei sehr untypisch für ihn, dass er sich so lange nicht melde. Normalerweise rufe er sie jeden Tag an, nun sei aber schon seit mehreren Tagen sein Handy aus. Auch wenn die Dame aufgelöst wirkt, für die BeamtInnen ist eine Vermisstenmeldung wie diese nichts Ungewöhnliches, zumal es sich um einen erwachsenen Mann handelt.
04:56
Also beschließen die PolizistInnen auf dem Revier, die Vermisstenmeldung zwar aufzunehmen, aber erstmal nichts weiter zu unternehmen. Sie behandeln den Fall als das, was er für sie ist. Routine. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen, dieser vermeintliche Routinefall wird bald für Entsetzen sorgen. Nicht nur in Großenhain, sondern weit über die Grenzen der Stadt hinweg.
05:20
Als sich die Tür der Polizeistation Großenhain an diesem Junitag im Sommer 2020 hinter der Mutter und der Frau des Vermissten schließt, ist für die PolizistInnen auf dem Revier klar, hier müssen sie erstmal nicht aktiv werden. Wie in den meisten anderen Vermisstenfällen taucht der Mann morgen wahrscheinlich wieder auf. Sie sehen keine Notwendigkeit, direkt nach ihm zu suchen. Was sie über ihn erfahren, bietet erstmal nämlich keinen besonderen großen Grund zur Sorge.
05:45
Der Mann, den die beiden Frauen vermisst gemeldet haben, heißt René Keiling. Er ist 37 Jahre alt und ein weitestgehend gesunder Mann. Er raucht und trinkt zwar recht viel und hat sich seit 2018 immer mehr aus dem Arbeitsleben zurückgezogen, aber ernsthaft krank ist er nicht. René Keiling ist also nicht auf Medikamente oder akute Krankenversorgung angewiesen.
06:06
Auch für eine Fremd- oder Selbstgefährdung gibt es keine Anhaltspunkte. Und so legen die Beamtinnen auf dem Polizeirevier Großenhain die gerade verfasste Vermisstenmeldung erstmal zur Seite und widmen sich anderen Aufgaben. René Keiling spielt für sie an diesem Juniabend keine größere Rolle mehr.
06:23
Drei Tage später ändert sich das jedoch schlagartig. Es ist der 19. Juni 2020 um die Mittagszeit, als erneut zwei Frauen die Dienststelle betreten.
06:34
Dabei blicken die Beamtinnen in ein bekanntes Gesicht, denn eine der beiden Damen ist wieder die Mutter des kürzlich vermisst gemeldeten Mannes. Die andere jüngere Frau stellt sich als Freundin von Renés Bruder vor. Und sie hat etwas dabei, das die Sicht der Polizistinnen auf die Vermisstenmeldung grundlegend verändert.
06:52
Sie erzählt, dass sie vor lauter Sorge um ihren Schwager in Spee, René, einen privaten Suchaufruf gestartet habe. Das Foto, das sie von ihm zu diesem Zweck auf Facebook gepostet hat, ist ein Schnappschuss aus einem Biergarten. Ein wenig überrascht schaut der junge, schmale Mann darauf in die Kamera. Über dem Foto prangt der Suchaufruf.
07:11
Weiter ist dort zu lesen, dass René blaue Jeans und ein blau kariertes Hemd trug, als er verschwand. Dazu Turnschuhe mit weißer Sohle. Wer ihn gesehen hat oder Hinweise geben kann, soll sich bitte per Facebook-Nachricht bei ihr melden.
07:24
Und genau das sei passiert, hören die Beamtinnen jetzt. Nur anderthalb Stunden nach dem Posten des Suchaufrufs hatte sich eine Frau bei der Freundin von Renés Bruder gemeldet. In einer Facebook-Nachricht schreibt diese, dass sie etwas beobachtet habe. Am Abend des 13. Juni, also drei Tage bevor die Beamtinnen die Vermisstenanzeige aufgenommen haben, will die Frau einen ungewöhnlichen Vorfall bemerkt haben.
07:48
In der Nachricht schreibt sie, dass sie abends auf dem Balkon ihrer Wohnung am Rahmenplatz im Zentrum von Großenheim gestanden und nach unten auf den Parkplatz vor dem Haus geschaut habe. Dabei seien ihr fünf Personen aufgefallen. Zwei Männer hätten einen anderen Mann unter den Armen eingehakt und in einen grünen Kombi geschoben, in dem zwei Frauen gesessen hätten. Dann sei das Auto weggefahren. Ihr erster Gedanke sei laut der Facebook-Nachricht gewesen, dass der Mann vielleicht betrunken gewesen sei und die anderen ihm geholfen hätten. Es habe zumindest so ausgesehen, als wäre er nicht ganz freiwillig in den Wagen verfrachtet worden, lesen die Beamtinnen auf der Wache.
08:24
Sie habe die Szene aber erstmal wieder vergessen, schreibt die Frau weiter. Bis sie bei Facebook auf den Suchaufruf gestoßen und ihr klar geworden sei, ihre Beobachtung könnte mit dem Verschwinden von René Keiling zusammenhängen. Deshalb beschreibt sie die zwei Männer und die beiden Frauen auch ganz genau, ebenso das Auto.
08:42
Während die Beamtinnen die Nachricht lesen, warten Renés Mutter und die Lebensgefährtin seines Bruders ratlos. Was hat diese Nachricht zu bedeuten? Darauf bekommen sie in diesem Moment keine Antwort, aber zumindest die Zusage, dass die Polizei nun endlich beginnt, etwas zu unternehmen.
08:59
Als die beiden Frauen gegangen sind und die Beamtinnen wieder unter sich sind, ist ihnen nämlich klar, René ist vielleicht doch nicht einfach mal so untergetaucht, sondern könnte gegen seinen Willen verschwunden sein. Es ist der Moment, in dem aus einer anfänglichen Routine vermissten Meldung mehr wird. Die Tatsache, dass René laut der Zeuge nicht freiwillig in das Auto gestiegen zu sein scheint und dazu die Info von Renés Mutter, dass er sich normalerweise regelmäßig bei ihr meldet, nun aber seit sechs Tagen nicht mehr erreichbar ist, versetzt die Beamtinnen in Alarmbereitschaft.
09:31
Diese Aussagen bringen die ErmittlerInnen also nun dazu, tiefer zu graben. Um zunächst mehr über René zu erfahren, schauen sie sich sein persönliches Umfeld an und laden mehrere Personen vor. Aus der Facebook-Nachricht der Zeugin haben sie ziemlich genaue Beschreibungen der vermeintlichen EntführerInnen erhalten, die zu Menschen aus Renés sozialen Kontakten passen.
09:50
Und genau diese Menschen laden die Polizistinnen jetzt ein, um herauszufinden, was es mit Renés Verschwinden auf sich hat. In ihren Befragungen erfahren sie, dass René zuletzt recht unzufrieden war, weil es viel Streit mit seiner Frau Greta gab und die beiden aktuell sogar getrennt leben. Vor allem habe ich ihm zu schaffen gemacht, dass Greta ihn betrogen habe und er den gemeinsamen Sohn kaum noch sehen dürfe.
10:13
Alles Gründe, die dafür sprechen könnten, dass René vielleicht doch einfach Abstand brauchte, um einmal durchzuatmen und die Stadt nur vorübergehend verlassen hat. Aber die Szene, die die Zeugin in ihrer Facebook-Nachricht beschrieben hat, klingt ja nicht wirklich danach. Und so bohren die BeamtInnen weiter und bekommen schließlich von einem der Befragten Informationen, mit denen sie nicht gerechnet haben. Informationen, mit denen aus der zunächst harmlos wirkenden Vermisstenmeldung eine Verbrechensjagd wird.
10:42
Vor den PolizistInnen sitzt ein kräftiger Mann mit kurzgeschorenen dunklen Haaren, Carsten Gehlert. Der 28-Jährige gibt an, dass er seit einiger Zeit mit Greta zusammen sei, der Ehefrau von René, die ihn zuerst gemeinsam mit seiner Mutter vermisst gemeldet hat. Greta sei aktuell schwanger, sogar mit Zwillingen. Allerdings nicht von ihrem Ehemann René. Von dem sei Greta nur noch genervt, behauptet der junge Mann. Und nicht nur das, sie habe richtiggehend Angst vor René, weil er immer wieder aggressiv werde und sie bedrohe.
11:13
Greta habe Carsten außerdem mehrfach erzählt, was für ein schlechter Vater René sei. Nicht nur für den gemeinsamen Sohn, sondern auch für Gretas drei Kinder aus vorherigen Beziehungen.
11:25
Carstens Beschreibung von René will für die BeamtInnen so gar nicht zu dem Bild passen, das sie sich bislang von ihm gemacht haben. Nämlich das eines liebevollen Vaters und Ehemanns, der seine Familie liebt und engen Kontakt zu seiner eigenen Mutter pflegt. All die Eigenschaften, die Carsten beschreibt, treffen eigentlich eher auf ihn selbst zu. Denn Carsten ist vorbestraft, das kann man im Polizeiregister nachlesen. Unter anderem wegen Körperverletzung und versuchter Nötigung.
11:52
Das alles passt nicht so recht zusammen. Könnte es sein, dass der neue Freund von Renés Frau Lügen über ihn in die Welt setzt? Und wenn ja, wieso? Deswegen fragen die Beamtinnen immer wieder nach René, nach dessen Ehe mit Greta und dann noch, ob Carsten weiß, wo René sich zurzeit aufhält. Und dann irgendwann platzt es tatsächlich aus Carsten heraus. Es habe ihn sauer gemacht, wie sich René gegenüber Greta und ihren Kindern verhalten habe. So sauer, dass er am Abend des 13. Juni, also vor genau sechs Tagen, zu René nach Hause gefahren sei.
12:25
Dabei sei er aber nicht alleine gewesen, betont der kräftige Mann gegenüber den Beamtinnen. Mit ihm im Auto hätten Greta sowie ein befreundetes Pärchen gesessen. Doch daheim haben sie René laut Carsten nicht angetroffen, weshalb sie danach quer durch Großenhain gefahren seien.
12:41
Aber ihre Suche sei erfolglos geblieben. Also habe Greta René eine Nachricht geschrieben.
12:46
René könne seinen Sohn jetzt sehen, wenn er sich mit ihr treffe.
12:50
Ein Wunderpunkt von René, der seinen kleinen Sohn schmerzlich vermisst habe, weshalb die positive Antwort auch nicht lange habe auf sich warten lassen.
12:59
Kurze Zeit später seien Carsten Greta und das befreundete Pärchen dann zum vereinbarten Treffpunkt gefahren und hätten dort auf René gewartet. Aber nicht etwa, damit René seinen Sohn endlich habe wiedersehen können, sondern um ihn an einen verlassenen Ort zu bringen. An einen Ort, an dem niemand seine Schreie hören würde.
13:19
Die Sonne steht schon tiefer, als die Polizistinnen im Streifenwagen die Landstraße weg von Großenhain in Richtung des nur wenigen Kilometer entfernten Örtchens Priestewitz fahren. Durch die Autofenster blicken sie auf teils grüne, teils abgeerntete Felder, dazwischen immer wieder auf kleine Dörfer. Die schmale Landstraße führt sich schließlich in ein kleines Waldstück nahe Medessen, einem Ortsteil von Priestewitz. Die Beamtinnen sind an ihrem Ziel angekommen, denn hier, mitten im Wald, soll sich René befinden.
13:48
Das hatte Carsten Gehler zumindest bei seiner Vernehmung behauptet. Für die Polizistinnen ist es jetzt das Wichtigste, René so schnell wie möglich zu finden, denn sie wissen nicht, ob er noch lebt und eventuell Hilfe braucht. Für eine erfolgreiche Suche haben sie deshalb alle verfügbaren Beamtinnen im Landkreis zusammengetrommelt. Und so ist von der ländlichen Idylle in dem Waldstück bei Medessen bald schon nichts mehr zu spüren.
14:12
Zahlreiche Einsatzkräfte streifen durch den Schatten der Bäume, bis einer von ihnen plötzlich eine Entdeckung macht. Sein Blick fällt auf eine Mulde am Waldrand, in der hohes Gras den Boden bedeckt. Halb versteckt unter den trockenen Pflanzen und Gräsern, direkt neben einer dornigen Hecke, erkennt der Beamte den Körper eines toten Menschen. Das ist auf den ersten Blick klar. Vor ihm liegt die Leiche von René Keiling. Der Funken Hoffnung, den 37-Jährigen noch lebend zu finden, ist mit einem Schlag erloschen.
14:42
Die klaffende Wunde an seiner Stirn ist klar zu erkennen. Auch sein restlicher Körper ist versehrt. Wie sehr können die Polizistinnen vor Ort allerdings nicht ausmachen. Denn Renés Körper ist übersät von Maden, seine Haut schon schwarz verfärbt und vertrocknet. Er muss also bereits länger tot sein.
15:01
Kurz nach dem grausigen Fund kommen am späten Abend zahlreiche Einsatzwagen die schmal gewundene Landstraße zwischen den Feldern entlang und parken am Waldrand. Aus ihnen steigen KriminalpolizistInnen, Mitarbeitende der Spurensicherung und eine Rechtsmedizinerin.
15:16
Mit ihnen nimmt auch ein Entomologe seine Arbeit am Leichenfundort auf, also ein Experte für Insekten und deren Entwicklungsstadien. Denn die vielen Larven und Tierchen, die an und auf Renés Leiche gefunden werden, sollen Hinweise darauf liefern, wann René genau gestorben ist. Diese Information wird noch wichtig sein. Denn auch wenn der genaue Todeszeitpunkt und vieles andere noch unklar ist, der Anblick des Toten und Carstens Aussage lassen eigentlich keinen anderen Schluss zu. Hier ist ein schweres Verbrechen passiert.
15:48
Und so wird Renés Seiche umgehend in die Rechtsmedizin nach Dresden gebracht, während zahlreiche PolizistInnen die Umgebung rund um den Fundort akribisch absuchen. Erst in der Pathologie unter dem grellen Licht des Obduktionssaals zeigt sich das ganze Ausmaß von Renés Verletzungen. Etliche Knochen sind gebrochen, unter anderem mehrere Rippen, das Schulterblatt, der Schädel und der Kiefer.
16:10
Der Rechtsmedizinerin wird sofort deutlich, hier wurde heftigste Gewalt angewendet. Und zwar nicht nur einmal, sondern mehrfach. Und das verteilt über einen längeren Zeitraum. Irgendjemand hat René regelrecht gequält. Am Oberkörper deuten die Verletzungen auf viele Schläge mit einem stumpfen Gegenstand hin. Ein festgestelltes Schädel-Hirntrauma muss durch massive Gewalteinwirkung auf den Kopf zustande gekommen sein. Dritte. Oder Schläge mit einem Gegenstand, wie es aussieht.
16:39
Aber wer dafür gesorgt hat, dass René so hat leiden müssen und vor allem warum, das verrät der Leichnam auf dem kalten Metalltisch nicht. Das herauszufinden ist nun Aufgabe der KriminalpolizistInnen, die nach Carstens Aussage die Ermittlungen übernommen haben.
16:54
Ihre Aufgabe ist es auch, in den kommenden elf Monaten gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft die Anklage vorzubereiten. Mit Unterstützung des Landeskriminalamts. Dabei sichten sie Videoaufzeichnungen, befragen ZeugInnen und holen neben dem Entomologen und zwei RechtsmedizinerInnen unter anderem auch einen forensischen Psychiater mit ins Boot. Die langwierigen und kleinteiligen Ermittlungen haben ein großes Ziel. Das, was René durchleiden musste, aufzuklären.
17:21
Was diese Ermittlungen schließlich ans Licht bringen, lässt selbst erfahrene PolizistInnen fassungslos zurück. Ein grausamer Plan und Motive, die kaum zu begreifen sind.
17:33
Und so beginnt fast ein Jahr nach Renés gewaltsamen Tod am Dresdner Landgericht der Prozess, der ans Tageslicht bringen soll, was genau zwischen dem 13. und dem 19. Juni 2020 in dem Waldstück bei Medessen geschehen ist und wieso.
17:47
Unweite Staatsanwalts sitzt an diesem Mittwochmorgen auch Renées Mutter Waltraut. Vor 337 Tagen hatte sie ihren Sohn als vermisst gemeldet, geplagt voller Sorge, weil sich dieser seit Tagen nicht mehr bei ihr gemeldet hatte. Niemals hätte sie gedacht, dass sie fast ein Jahr später in einem Mordprozess die Nebenklage antreten wird, um zu erfahren, weshalb ihr Kind nicht verschwunden ist, sondern getötet wurde.
18:12
Dass sie darauf bis heute keine Antworten hat, ist fast so quälend wie die Tatsache, dass sie ihren Sohn nie wieder in die Arme wird nehmen können. Verantwortlich für den Tod ihres Kindes sollen gleich vier Personen sein. Greta, Renés damalige Noch-Ehefrau, die mit ihr gemeinsam auf der Wache saß und ihre Sorge offenbar nur vorgespielt hatte, ihr damaliger neuer Partner Carsten und ein befreundetes Pärchen Anfang 50, von dem Carsten in seiner Vernehmung bei der Polizei bereits erzählt hatte. Eskortiert von Justizbeamtinnen und mit Handschellen gefesselt, betreten die zwei Männer und Frauen an diesem Tag den Gerichtssaal.
18:49
Es sind Ann-Marie Stürmer und Boris Trotler, die dem Greta und Carsten auf den Stühlen neben ihren VerteidigerInnen Platz nehmen. Während Ann-Marie bisher noch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, wurde Boris bereits siebenmal wegen verschiedener Delikte verurteilt, unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes.
19:07
Alle mit weißen FFP2-Masken ausgestattet und durch Plexiglasscheiben getrennt. Ein Anblick, an den sich alle nach über einem Jahr mit dem Coronavirus gewöhnt haben.
19:18
Sie sollen die vier Personen sein, die die Zeugin vom Balkon aus dabei beobachtet haben will, wie zwei von ihnen René gegen seinen Willen in ein Auto buxierten.
19:27
Nachdem sich die Frau aufgrund des Facebook-Aufrufs gemeldet hatte, waren die vier parallel von der Polizei vernommen worden. Zunächst als ZeugInnen, dann als Verdächtige. Und nun stehen sie als Beschuldigte vor Gericht.
19:41
Greta hat ihre dunklen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Unter dem schwarzen Korthemd, das sie trägt, zeichnet sich an diesem ersten Prozesstag allerdings kein Babybauch mehr ab. Die 32-Jährige hat die Zwillinge, mit denen sie während der Tat an René schwanger war, bereits zur Welt gebracht. Die beiden haben Ende Dezember 2020 das Licht der Welt erblickt. Und zwar während Greta in Untersuchungshaft in der JVA Chemnitz saß.
20:07
Und es gibt keine offiziellen Zahlen dazu, wie viele Kinder in Deutschland in Haft zur Welt kommen, so wie Gretas Zwillinge jetzt. Aber es passiert offenbar häufiger, so häufig, dass es da richtige Abläufe und Strukturen gibt. Was passiert, wenn eine Frau schwanger ins Gefängnis oder wie Greta in U-Haft kommt, haben wir Michaela Möller gefragt. Sie leitet zwei Mutterkindheime in einer JVA in Frankfurt.
20:30
Dann bekommt die Frau die gleiche medizinische Betreuung wie eine Schwangere draußen auch. Sprich, sie wird gynäkologisch untersucht. Bei Bedarf wird sie in ein externes Krankenhaus gebracht, um dort weitere Untersuchungen durchführen zu lassen. Eine Hebamme kommt vor der Geburt und nach der Geburt. Also die Betreuung ist vergleichbar mit draußen.
20:54
Diese Untersuchungen finden aber nicht in einer Praxis statt, wie das normalerweise der Fall ist, sondern in einem extra Gebäude der JVA. Da arbeiten nämlich Ärztinnen und Krankenpflegepersonal und einmal in der Woche kommt eine Gynäkologin. Die Geburt selbst, sagt Möller, findet aber nie in der Haft statt, sondern in einer externen Klinik. In die werden die inhaftierten Frauen dann mit einem Rettungswagen gebracht, sobald die Geburt losgeht und die Frau Wehen bekommt. Und immer mit dabei ist dann aber Sicherheitspersonal, das auch bei der Geburt selbst immer noch dabei ist.
21:27
Und wenn bei der Geburt alles unkompliziert lief, darf die Mutter mit dem Kind zusammen bis zur sogenannten U2-Vorsorgeuntersuchung in der Klinik bleiben. Also teilweise auch mal bis zu zehn Tage. Wenn es dem Kind schlecht geht, auch länger, währenddessen natürlich die ganze Zeit von JustizvollzugsbeamtInnen bewacht und danach geht es dann entweder gemeinsam ins Mutterkindheim oder die Mutter kommt allein zurück in Haft und das Kind wird von jemand anderem betreut.
21:53
Was davon der Fall ist, ist unter anderem vom Haftgrund und der Haftdauer abhängig. In der JVA in Frankfurt, in der Frau Möller arbeitet, gibt es zwei Mutterkindheime, eins im geschlossenen und eins im offenen Vollzug. Und im offenen Vollzug können die Kinder bis zur Einschulung da bleiben, im geschlossenen nur bis zum dritten Lebensjahr. Das Wichtigste bei der Entscheidung, ob ein Kind bei seiner Mutter bleibt oder nicht, sei aber immer das Wohl des Kindes.
22:21
Das würde aber bedeuten, dass eine Trennung mit dem dritten Lebensjahr erfolgen wird. Und das dient sicherlich nicht dem Wohl des Kindes, sich erst an die Mutter zu gewöhnen und dann mit dem dritten Lebensjahr woanders unterzukommen. In solchen Fällen wird natürlich mit dem Jugendamt geprüft, was für das Kind besser ist. Möglicherweise gibt es einen Vater, möglicherweise gibt es andere Familienangehörige, die das Kind dann nach der Geburt nehmen könnten.
22:52
Oder das Jugendamt prüft dann eine Inobhutnahme oder Pflegefamilie, je nachdem, was besser ist.
23:02
Wenn das Kind bei der Mutter bleibt, dann müssen die Mütter in den ersten sechs Monaten nicht arbeiten und können sich um ihre Babys kümmern. Danach gehen sie wieder einer Beschäftigung nach und die Kinder werden tagsüber in der Krippe oder im Kindergarten des Mutterkindheims betreut.
23:16
Bilder im Kopf, die mir aber auch irgendwie so ein Kloß im Hals machen. Es ist natürlich gut, wenn Kinder bei ihren Eltern hier in den Fällen jetzt bei der Mutter sind. Aber für mich ist es so, die armen Kleinen, die erleben die Haft dann ja auch mit. Und die haben ja gar nichts gemacht. Und in meinem Kopf sind so kleine Kinder, die dann so Sträflingsstrampler tragen. Oh mein Gott.
23:38
Oh nein. Aber ja, ich hatte auch erst mal Mitleid. Aber Frau Möller hat uns ja erklärt, dass kleine Kinder es da gar nicht so schlecht haben.
23:46
Ich glaube, dieser Begriff Gefängnis oder wo ich bin, ist ziemlich abstrakt. Das ist ihr Zuhause. Und ich kann sagen, so traurig das klingt, für manche Kinder ist es die beste Zeit ihres Lebens.
24:00
Sie werden nicht nur materiell sehr, sehr gut versorgt, sondern auch durch die Art und Weise, wie die Mütter die Unterstützung bekommen, um auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, beziehungsweise auch all das, was die Erzieherinnen mit den Kindern machen. Also sprich Ausflüge, eine Ferienfreizeit einmal im Jahr, Theater von Externen, die wir hier einkaufen und die da bestimmte Sachen anbieten. Wir haben einen Sportlehrer, der regelmäßig Kinderturnen anbietet.
24:33
Also wir tun alles, um die Mütter zu unterstützen in ihrer Erziehungsfähigkeit.
24:39
Ob Kinder mit ihren Müttern im Mutterkindheim unterkommen, hängt neben der Art des Verbrechens und der Länge der Haftstrafe unter anderem auch davon ab, wie die Persönlichkeit der Mutter ist. Also ob die überhaupt in der Lage ist und das auch möchte, für das Kind da zu sein.
24:53
Dass Greta ihre Zwillinge nicht wird aufwachsen sehen, ist bei der Anklage sehr wahrscheinlich. Denn Greta soll laut Staatsanwaltschaft für eine sehr lange Zeit ins Gefängnis. Ausgerechnet sie, Renés Ehefrau und die Mutter seines Sohnes, soll nämlich bei allem, was René geschehen ist, eine ziemlich zentrale Rolle gespielt haben.
25:14
So steht es zumindest in der Anklageschrift, die der Staatsanwalt nun vor Gericht verliest. Für Renées Mutter Waltraud sind die detaillierten Schilderungen kaum zu ertragen. Laut und deutlich zu hören, was die Person, der sie jahrelang vertraut hat, ihrem Kind zusammen mit drei anderen angetan haben soll, ist fast zu viel für sie.
25:35
Dabei war Greta vier Jahre lang die Frau in Renés Leben und damit einer der wichtigsten Menschen für ihn. Anfang 2016 lernen sich die beiden kennen. René spürt schnell, dass er mehr für Greta empfindet. Ein Dilemma, denn Greta hat damals einen Freund und ist eigentlich nicht frei für René. Aber zu seiner großen Freude erwidert sie seine Gefühle. Und so beginnen die beiden im April 2016 eine Affäre, aus der für beide schnell mehr wird. Zumal Greta René einige Wochen später eröffnet, dass sie von ihm schwanger ist.
26:06
René soll Vater werden, zum ersten Mal. In die Aufregung und Vorfreude mischen sich aber auch Bedenken. Er ist ja nicht mal richtig mit Greta zusammen, denn sie ist immer noch in einer Beziehung mit einem anderen Mann.
26:19
Doch als hätte das Schicksal ihn gehört, löst sich dieses Problem quasi von selbst. Dann einige Monate später, als die beiden gerade in Gretas Wohnung Zärtlichkeiten austauschen, öffnet sich überraschend die Wohnungstür. Oh Gott. Stell dir mal vor, ja.
26:34
Also eigentlich kennt man das ja nur so aus dem Film oder aus Serien. Ich habe auf jeden Fall so eine krasse Szene in meinem Kopf.
26:41
Also vom Betrügen mal abgesehen, ne? Und dann, also hat man ja immer mal gehört von so, also vielleicht nicht unbedingt von eigenen FreundInnen, aber über echt Bekanntschaften. Ja, ich weiß, aber ich wollte deinen Freundeskreis nicht explosen.
26:58
Das hört sich jetzt krass an, als hätte ich nur solche... Personen, die sowas machen in meinem Freundeskreis. Nein. Oder eine Person davon. Aber halt die Affäre mit nach Hause zu nehmen und dann im Bett mit der Affäre zu schlafen, in das sich nachher die eigentliche Partnerin oder der eigentliche Partner dann wieder reinlegt. Also das finde ich einfach so schlimm, diese Vorstellung.
27:22
Ja, voll. Für die Person, dass die dann so unwissend da drin liegt, ne?
27:28
Ja, na klar.
27:28
Für wen denn sonst?
27:32
Nee, auch für die Affäre finde ich das auch schon... Nee, die entscheidet sich ja dazu.
27:38
Nee, für die Affäre habe ich da wirklich gar keinen Mitleid. Nee. Jedenfalls passiert das so ähnlich jetzt auch. In diesem Fall vor den beiden steht Gretas aktueller Freund, der eigentlich auf Dienstreiser sein sollte und nun umgehend mit Greta Schluss macht.
27:57
So ist also der Weg frei für Renés und Gretas Zukunft als Paar, aus dem im April 2017 eine kleine Familie wird, als ihr gemeinsamer Sohn zur Welt kommt. Und um das Glück perfekt zu machen, gibt Greta René im Juni 2017 das Ja-Wort und wird auch ganz offiziell die Frau an seiner Seite. Doch dieses Glück hält nicht lange. Dass René bald nur noch gelegentlich arbeitet, viel zu Hause sitzt, raucht und trinkt, sorgt immer wieder für Streit zwischen den Eheleuten. Als er ab 2019 schließlich gar nicht mehr arbeitet, geht die Beziehung immer weiter in die Brüche.
28:30
Im Mai 2020, keine drei Jahre nach der Hochzeit, muss René sich dann anhören, dass seine Frau eine Affäre mit einem anderen hat und die gemeinsame Wohnung sofort verlassen will, auch weil sie von diesem Mann schwanger ist.
28:43
Seine Frau erwartet gleich Zwillinge von einem anderen Mann. René ist fassungslos. Während Greta zu ihrem neuen Partner und dessen Eltern zieht, bleibt René allein in der ehemals gemeinsamen Wohnung zurück. Nicht nur Greta ist nun weg, auch den gemeinsamen Sohn hat sie mitgenommen und René damit sein Liebstes entrissen. Verlassen sitzt der 37-Jährige in der leeren und nun stillen Wohnung, in der er bis eben noch mit seiner kleinen Familie gelebt hat. Wie konnte das alles passieren? Und gibt es nicht vielleicht doch noch eine Chance?
29:15
Immer wieder ruft er Greta in den kommenden Tagen und Wochen verzweifelt an, schreibt ihr unzählige Nachrichten, bittet und fleht darum, seinen Sohn wiedersehen zu dürfen.
29:25
Und nicht nur ihn will er wieder in den Arm nehmen, sondern auch Greta. Sein großer Wunsch ist, wieder mit ihr zusammen zu sein. Doch so oft er es auch versucht, all seine Nachrichten verheilen unbeantwortet.
29:37
Und während René trotz Gretas Affäre und ihrer Schwangerschaft von einem anderen Mann darauf hofft, die Risse irgendwie kitten zu können und die Beziehung zu retten, will Greta nicht nur die Scheidung. Sie will, dass René stirbt. So erzählt es nun jedenfalls Carsten vor Gericht.
29:54
Von der Liebe, die er im Sommer 2020 für Greta empfunden hat, ist nun nichts mehr zu spüren. Damals glaubte er noch, der neue Mann in ihrem Leben zu sein. Nun weiß er, Greta war nicht ehrlich zu ihm. Während er auf eine gemeinsame Zukunft hoffte, war Greta zeitgleich mit einem anderen Mann zusammen.
30:13
Denn Carsten ist nicht der Vater der Zwillinge, die Greta in U-Haft zur Welt gebracht hat und auch nicht der Mann, wegen dem sie René verlassen hat. Greta war also kurz nach der Trennung von René wieder einmal zweigleisig gefahren und während sie also zum Vater ihrer Zwillinge zog und auch dem eine Zukunft versprach, war sie gleichzeitig mit Carsten liiert. Während Carsten nun vor Gericht redet, scheint sein Miteingeklagter Boris Trotler seine Aussage mit Gesten zu kommentieren, als wolle er Teile von Carstens Aussage unterstreichen oder abstreiten.
30:44
Und auch Anne-Marie Stürmers Körperhaltung spricht Bände. Sie sitzt Carsten während seiner Aussage am nächsten und wendet ihm konsequent den Rücken zu. Gretas Blick hingegen ist regungslos. Sie verziert keine Miene, als Carsten den Anwesenden im Gerichtssaal seine Sicht der Dinge schildert und sie dabei schwer belastet. Denn René zu töten, sei allein Gretas Idee gewesen. Mitgemacht habe er Carsten nur, weil er damals glaubte, dass Greta ihn liebte und er ihr einziger Partner sei.
31:15
Er habe sie und ihre Ehre verteidigen wollen. Greta habe ihm immer wieder erzählt, dass René sie misshandelt habe. Unter anderem hätte er ihren Kopf gegen die Wand geschlagen.
31:26
Sie habe ihn so richtiggehend gegen René aufgestachelt und Greta habe, so sagt es Carsten, genau gewusst, wie leicht er wütend und aggressiv werde und das für sich genutzt. Und dabei sei ihre Forderung nicht nur gewesen, René zu töten, betont Carsten. Er sollte einen qualvollen Tod erleiden, sei Gretas explizite Forderung gewesen.« Als Greta am 16. Juni auf dem Polizeirevier Großenhain die besorgte Ehefrau mimte, die ihren Mann vermisst meldet, soll sie das laut Carsten nur gemacht haben, damit kein Verdacht auf sie fällt.
31:59
Dabei soll sie seiner Aussage nach alles ganz genau geplant haben.
32:05
Wie Gretas Plan, ihren Ehemann zu töten, ausgesehen haben soll, hat die Staatsanwaltschaft während der Ermittlungen folgendermaßen rekonstruiert. Am 13. Juni gegen 19 Uhr bekommt René demnach eine Nachricht von Greta. Sie schreibt, dass er den gemeinsamen Sohn sehen dürfe. Die beiden würden zu ihm kommen. Dazu müsse er nur Bescheid geben, wo er gerade sei. René sitzt gerade bei einem Freund in der Wohnung, als er die Nachricht liest und ist hin- und hergerissen. Einerseits hat er keine Lust auf eine Konfrontation mit Greta, die bisher alle seine Versöhnungsversuche abgewiesen hat.
32:38
Andererseits will er unbedingt seinen Sohn sehen.
32:41
Das ist auch so fies, den dann als Lockmittel zu benutzen.
32:44
Das ist ja so gemein, weil das ja so ein krasses Bedürfnis ist, sein eigenes Kind zu sehen. Ja. René ruft Greta schließlich an und sie vereinbaren ein Treffen. Kurz nachdem er aufgelegt hat, meldet sein Handy eine neue Nachricht. Wir stehen auf dem Rahmenplatz, schreibt Greta. Keine fünf Minuten später verabschiedet sich René von seinem Kumpel und macht sich zu Fuß auf den Weg. Draußen ist es heiß, die Sonne scheint vom Himmel. Der Rahmenplatz ist direkt um die Ecke. René denkt, er muss nur die knapp 100 Meter zurücklegen, um endlich seinen Sohn wiederzusehen.
33:18
Dann sieht er Gretas grünen Opel Safira, der am anderen Ende des Platzes steht. Seinen Sohn kann er nicht direkt ausmachen, aber er erkennt Greta auf dem Fahrersitz. Also läuft René weiter in Richtung des Autos. Das spürt er plötzlich, völlig unvermittelt, wie er von hinten gepackt wird. Ein Arm schlingt sich um seinen Hals, ein zweites Paar Hände hält ihn fest. Was soll das? René weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Er wehrt sich verzweifelt und versucht vergeblich, sich zu befreien, während er immer weiter in Richtung von Gretas Wagen gezerrt wird.
33:49
Es sind zwei Männer, die sich von hinten an ihn herangeschlichen und ihn angegriffen haben. Carsten und Boris. René kennt sie nur entfernt über seine Ehefrau. Die beiden müssen sich vorher irgendwo versteckt haben.
34:02
In Carstens Schwitzkasten hat der schmal gebaute René keine Chance zu entkommen. Und so kann er nichts dagegen unternehmen, dass die beiden Männer ihn mit vereinten Kräften ins Auto schubsen, in dem nicht nur Greta, sondern auf der Rückbank auch Ann-Marie sitzt, die Freundin von Boris.
34:18
Während Carsten ihn schließlich loslässt und sich neben Greta auf den Beifahrersitz fallen lässt, ist René auf der Rückbank gefangen. Links von ihm sitzt Anne-Marie, rechts von ihm Boris. Dann fährt Greta los. Als sie einige Minuten später an einer Tankstelle halten und Carsten und Greta das Fahrzeug verlassen, versucht René wieder, sich zu befreien. Er will aus dem Auto flüchten, aber Boris und Anne-Marie versperren ihm den Weg in die Freiheit.
34:43
Es ist völlig aussichtslos, sich aus dieser Situation zu befreien. Eine Situation, in der zwei Menschen nur dafür da sind, ihn zu bewachen. Nachdem Carsten und Greta wenige Minuten später mit mehreren Plaschen Bier zurück zum Auto kommen, muss René mit ansehen, wie gemeinsam gesoffen wird. So, als wäre dies ein netter Nachmittag und nicht gerade sein schlimmster Albtraum. Gekidnappt werden von seiner Noch-Ehefrau, ihrem neuen Macker und deren Freundinnen.
35:10
Erst als die Flaschen leer sind, startet Greta erneut den Motor, lenkt das Auto auf die Straße und folgt dieser, bis die Häuser von Großenhain Feldern weichen, die sich auf beiden Seiten der Landstraße erstrecken. René wird langsam panisch und beginnt angsterfüllt, um sich zu schlagen.
35:26
Damit er andere Verkehrsteilnehmende nicht auf sich aufmerksam macht, versetzt die kräftige Anne-Marie ihm einen heftigen Faustschlag von links. René spürt, wie warmes Blut über sein Gesicht läuft und wie er mit seinem rechten Auge immer schlechter sehen kann. Durch die Autofenster nimmt er trotzdem wahr, dass die Landstraße, auf der sie fahren, auf ein kleines Waldstück zuführt.
35:48
Dort angekommen hält Greta das Auto an und René wird von Boris und Carsten brutal von der Rückbank nach draußen gezerrt. Aufgrund der Wucht der beiden kann René das Gleichgewicht nicht halten und stürzt zu Boden. Als Carsten vor ihm steht, hält der plötzlich eine Holzkeule in der Hand. Kurz darauf spürt René einen heftigen Schlag, diesmal in die Rippen, danach noch einen.
36:11
Die Hiebe sind mit solcher Kraft ausgeführt, dass die Holzkeule zerbricht. Das hält Boris wiederum aber nicht davon ab, sich die kaputte Waffe von Carsten zu schnappen, ebenfalls zuzuschlagen und obendrein auch noch zuzutreten.
36:24
René hat unfassbare Schmerzen, doch es kommt kein Schrei über seine Lippen.
36:30
Dann hören die Attacken unvermittelt auf. Boris und Carsten wenden sich von René ab, Schritte entfernen sich. Als der grüne Wagen verschwindet, bleibt René völlig hilflos im Wald zurück. Der 37-Jährige ist nicht in der Lage, sich zu bewegen und um Hilfe rufen kann er auch nicht. Denn auch wenn seine EntführerInnen ihn hier allein zurückgelassen haben, sein Handy haben sie mitgenommen.
36:54
René liegt auf dem warmen Waldboden. Sein Körper schmerzt dort, wo ihn die zahlreichen Schläge und Tritte getroffen haben. Am Rücken, an den Rippen, am Kopf. Es sind unsägliche Schmerzen. René weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist, seitdem er hier zurückgelassen wurde. Er merkt nur, wie es langsam immer dunkler wird. Es muss also schon später am Abend sein. Plötzlich ertönen die Geräusche eines herannahenden Autos, das schließlich in Renés Nähe anhält. Schritte kommen näher.
37:23
Flüchten kann René nicht. In den Stunden, in denen er hier liegt, hat er sich mit aller Kraft gerade mal 20 Zentimeter fortbewegen können. Aber er versucht aufzustehen und hebt den Kopf, als die Schritte näher kommen. Dann sieht er, wie Carsten und Boris vor ihm stehen. Und ehe er irgendwie reagieren kann, trifft ihn ein Tritt gegen den Kopf. Dann noch einer, mitten im Gesicht. Sein Kiefer bricht. Unter Schmerzen spürt er, wie er am Gürtel gepackt und über den Waldboden gezogen wird, bis zu einer Mulde am Waldrand, wo er auf dem Bauch liegen bleibt, den Blick auf trockenes Gestrüpp gerichtet.
37:57
Dann entfernen sich die Schritte wieder und es wird erneut still um René. Nur die Geräusche des Waldes sind noch zu hören.
38:05
Die Nacht bricht über dem Waldstück und den umliegenden Feldern herein und René liegt in der Dunkelheit allein zwischen Bäumen und Gras, zurückgelassen wie Müll. Aufstehen kann er nicht, zu stark sind die Schmerzen. Mit letzter Kraft schafft er es, sich auf den Rücken zu drehen. Er blickt nach oben in die Baumkronen und den noch dunkler werdenden Himmel.
38:25
So liegt er lange da, wie lange genau, weiß er nicht. Irgendwann wird es wieder hell, ein neuer Tag beginnt, doch an seiner Aussichtslosigkeit ändert sich nichts. Viele weitere Stunden müssen vergangen sein, als sich wieder ein Fahrzeug nähert. Das Motorengeräusch stirbt, erneut kommen Schritte über den Waldboden näher.
38:43
Und wie schon gestern sind es Carsten und Boris, die vor René stehen bleiben. Was René nicht weiß, die beiden sind diesmal nicht alleine hierher gekommen. Wenige Meter entfernt in dem parkenden Wagen sitzt Greta, seine einstige große Liebe und die Mutter aus seines einzigen Sohnes. Renés linkes Auge ist vollkommen zugeschwollen. Mit dem rechten blickt er zu seinen Peinigern. Er kann gerade noch erkennen, wie Carsten mit einem Stock in der Hand auf ihn zugeht. Dann spürt er, wie er ihn damit in die Seite stößt, als würde er wissen wollen, ob René überhaupt noch reagiert.
39:15
René beobachtet, wie Boris als nächstes anfängt, Steine vom Boden aufzuheben, die rund um ihn herum auf dem Waldboden verteilt liegen. Sie sind unterschiedlich groß und sehen schwer aus. René kann nichts unternehmen, kann nicht verhindern, dass sein Martyrium weitergeht.
39:32
Boris lässt die Steine nacheinander auf Renés Oberkörper fallen, schleudert einen davon gegen seinen Kopf. René liegt mittlerweile völlig reglos da. Er kann nur noch röcheln, als nun auch Carsten dazutritt und ebenfalls mehrere schwere Steine auf ihn hinabfallen lässt. Es ist der Moment, in dem das Bewusstsein und vielleicht auch schon das Leben aus Renés Körper weicht.
39:55
Und so bekommt er, laut Einschätzung der beiden RechtsmedizinerInnen, sehr wahrscheinlich nicht mehr mit, wie Carsten auch den letzten Stein, den größten von allen und über 30 Kilo schwer, aufhebt und ein letztes Mal auf seinen Brustkorb fallen lässt. Was René auch nicht mehr miterleben muss, ist die letzte Demütigung, die Carsten ihm antut, indem er sein Handy aus der Tasche holt und ein Foto von René macht. René, der leblos auf dem Waldboden liegt.
40:22
Die Grausamkeit der Tat, die Carsten in seiner Einlassung beschreibt, lässt die Anwesenden im Gerichtssaal fassungslos zurück. Vor allem Renés Mutter Waltraud treffen die Worte direkt ins Herz. Sollte ihr Sohn in diesem abgelegenen Waldstück nach Hilfe gerufen haben, hätte ihn niemand gehört. Seine Schreie wären verstummt. René hatte keine Chance, sich selbst zu retten. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, wirkt Carsten während seiner Aussage so, als würde ihn das alles gar nicht berühren. Dabei bestätigt auch die Aussage des Rechtsmediziners vor Gericht, dass René vor seinem Tod ein regelrechtes Martyrium durchleben musste.
40:57
Welches Ausmaß sein Leiden gehabt haben muss, hatte bereits die Obduktion zutage gefördert. Die vielen gebrochenen Knochen und innere Verletzungen, die dabei festgestellt wurden, müssen unendlich schmerzhaft gewesen sein. Auch dass René über mehrere Stunden misshandelt wurde, wurde auf dem Sektionstisch zweifelsfrei deutlich.
41:17
Die Verletzungen hätten sich alle in verschiedenen Heilungsstadien befunden, erklärt der Rechtsmediziner. Einige Hämatome und Schwellungen seien schon dabei gewesen, zurückzugehen, andere Wunden seien hingegen noch sehr frisch gewesen. Auch die Gewebeuntersuchungen hatten demnach gezeigt, dass Renés Körper zwischen den einzelnen Attacken immer wieder versucht hatte, die zugefügten Wunden zu heilen.
41:38
Dies zeigt, dass René zwischen den Gewalteinwirkungen noch gelebt und auch gelitten haben muss. Ob er letztendlich an den Kopfverletzungen gestorben ist, an denen im Bereich des Brustkorbs oder an einer Kombination der vielen Verletzungen, das lässt sich nicht mehr feststellen. Und auch was er davon noch alles spüren musste, kann im Nachhinein niemand mehr sagen. Aber bis zu dem Zeitpunkt, an dem René mit den Steinen maltretiert wurde, war er noch bei Bewusstsein. Das bestätigt der Rechtsmediziner, der vor Gericht aussagt und Carstens Angaben damit untermauert.
42:10
Er erklärt, dass alle Verletzungen mit Carstens Beschreibungen übereinstimmen. Allerdings sei es nicht mehr möglich gewesen, einzelne Verletzungen konkreten Tathandlungen zuzuordnen, erfährt das Gericht. Bei der Obduktion konnte man insgesamt neun verschiedene Bereiche an Renés Körper ausmachen, die verletzt wurden. Der Rechtsmediziner sagt aber auch, dass die Zahl der Gewalteinwirkungen nach oben offen sei. Denn ob auf eine oder mehrere Stellen mehrfach geschlagen oder getreten wurde, habe er nicht mehr feststellen können. Auch deshalb, weil die Leiche schon so stark verwest war, als die Polizei sie im Juni 2020 erst mehrere Tage nach Renés Tod gefunden hatte.
42:48
Deutlich zu erkennen waren aber zahlreiche Verletzungen, die durch stumpfe Gewalt verursacht wurden. René war aufgrund dessen nicht mehr in der Lage, sich irgendwie selbst zu helfen oder gar zu retten. Und das wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor, wussten die Angeklagten.
43:04
Neben all den körperlichen Schmerzen muss René auch seelische Qualen durchlitten haben. Laut Staatsanwalt war sich René nämlich zu jeder Zeit dort alleine im Wald bewusst, dass seine Lage absolut aussichtslos war und auch, dass er diesen Ort nicht mehr lebend verlassen würde. Er wusste demnach, dass dieses einsame Waldstück das letzte sein würde, was er in seinem Leben sieht. Dass er einsam sterben würde, während sich seine Mutter, sein Bruder und seine Schwägerin in Spee sorgen und nicht wissen, wo er ist.
43:32
Als der Entomologe, also der Experte für Insekten, seine Ergebnisse zusammenfasst, erklärt er, dass er anhand der Larven und der kleinen Tierchen an Renés Leiche den Todeszeitpunkt eingrenzen konnte.
43:44
René sei sehr wahrscheinlich am 14. Juni gestorben, irgendwann zwischen 8 und 18 Uhr.
43:50
Er war also nicht mehr am Leben, als Greta das Polizeirevier in Großenheim betreten hatte, um ihn vermisst zu melden. Obwohl sie doch laut Anklage genau wusste, wo er war. Aber nicht nur die Einschätzung zum Todeszeitpunkt und die Obduktionsergebnisse passen zu der Aussage von Carsten, die beschriebenen zeitlichen Abläufe stimmen auch mit ZeugInnen-Aussagen überein. Etwa der von Renés Freund, in dessen Wohnung er war, bevor er in die Falle seiner EntführerInnen gelockt wurde.
44:16
Außerdem berichtet eine Tankstellenmitarbeiterin und gleichzeitig Bekannte von Greta, dass die Angeklagten mehrfach an ihrer Tankstelle gehalten hätten, alleine zweimal am Tag der Entführung von René und auch an den kommenden Tagen. Das bestätigen die Videoaufnahmen aus der Überwachungskamera an der Tankstelle, die die Ermittelnden genutzt haben, um die Geschehnisse zeitlich zu rekonstruieren und mit Carstens Aussage abzugleichen.
44:40
Und noch etwas machen die ZeugInnen-Aussagen klar. Die Angeklagten hatten kein Geheimnis aus ihrer Tat gemacht. Unter anderem hatten sie bekannten Fotos der blutverschmierten Holzkeule gezeigt. Und sogar das Foto des schwerverletzten René, das Carsten nach der grausigen Tat im Wald mit seinem Handy gemacht hatte.
44:58
Darauf zu sehen ist René mit Blut im Gesicht und zugeschwollenem Auge. Dieses Bild hatte Carsten der Tankstellenmitarbeiterin gezeigt, außerdem Gretas Vater. Wieso die beiden nicht handelten, keine Hilfe riefen, bleibt offen.
45:13
Gretas Darstellung ist hingegen eine ganz andere, zumindest was ihre Beteiligung angeht. Zwar schweigt sie nun vor Gericht, in ihrer Vernehmung bei der Polizei aber hatte sie bereits zwei verschiedene Versionen angegeben, die beide nicht zu der von Carsten passen. Zunächst hatte sie erzählt, sie sei am 13. Juni, also dem Tag der Entführung, zwar am Rahmenplatz gewesen, aber nur, weil René um eine Aussprache gebeten habe. Sie habe ihm dann aber deutlich gemacht, dass sie eine Auszeit von der Beziehung brauche und habe sich daraufhin verabschiedet.
45:44
Dass Carsten die Geschehnisse in seiner Vernehmung zur gleichen Zeit ganz anders darstellte, wusste Greta zu diesem Zeitpunkt nicht. Aber nicht nur Carsten wurde zur gleichen Zeit wie Greta vernommen, sondern auch Boris. Und auch er hatte Greta in seiner Befragung bereits schwer belastet.
46:00
Was die Vernehmungsbeamtinnen Greta dann auch gleich brühwarm erzählten und ihr daraufhin eröffneten, dass sie ab jetzt eine Verdächtige war. Denn laut Boris hatte Greta sie alle dazu angestiftet, René in einen Wald zu locken und ihn zu verprügeln. Daraufhin behauptete Greta dann wiederum, es sei doch ganz anders gewesen. Es hieß auf einmal, ach nee, eigentlicher Initiator der ganzen Tat sei Boris gewesen.
46:24
In ihrer zweiten Version erklärt sie, René am Rahmenplatz sogar vor Boris gewarnt zu haben. »Hau ab«, habe sie gesagt, das habe er aber nicht begriffen. Dann habe Boris ihn am Hals gepackt und auf die Rückbank gestoßen, bevor sie gemeinsam losgefahren seien. Während sie am Steuer saß, habe Boris ihr Gewalt angedroht. Sie solle fahren, sonst würde sie eine »geschwalbt« bekommen. Er habe ihr den Weg zu dem Waldstück beschrieben und ihr dort gesagt, sie solle auf dem Fahrersitz sitzen bleiben.« Boris' Freundin Anne-Marie habe sie im Auto bewacht, während Boris und Carsten René nach draußen gezerrt hätten.
46:58
Wenig später seien sie wieder ins Auto gestiegen und hätten gesagt, dass es, Zitat, erledigt sei.
47:05
Während Greta im Gerichtssaal nun aber gar nichts mehr sagt, versucht nun auch ihr Verteidiger das Ausmaß ihrer Beteiligung an der Tat zu relativieren. Sie habe nie die Absicht gehabt, René zu töten. Die Grausamkeit, die René im Wald widerfahren war, sei nicht von ihr geplant und erst recht nicht direkt von ihr ausgeführt worden.
47:23
In den Vernehmungen beschuldigen sich die einstigen Freundinnen also am Ende alle gegenseitig. Greta beschuldigt ihren Bekannten Boris, der wiederum beschuldigt sie, die Pläne geschmiedet und ihren Lover Carsten, sie weitestgehend allein ausgeführt zu haben. Angeblich, weil René, Gretas Nochmann, ihre Kinder psychisch fertig gemacht habe. Boris, so sagt er, habe nur aus Angst mitgemacht, weil Carsten ihn gedroht habe, ihn auch mit Steinen zu erschlagen.
47:51
Die vierte Angeklagte, Ann-Marie, schweigt zum Glück, sonst müssten wir euch jetzt hier noch eine angebliche Tatversion erklären. Aber da haben wir die Rechnung ohne unsere liebe Greta gemacht. Nach den zwei Versionen, die sie damals der Polizei aufgetischt hat, folgt nun während des Prozesses eine dritte. Aus der Untersuchungshaft schreibt sie nämlich einen Brief an die Kammer. Darin behauptet sie plötzlich, doch nicht ihr bekannter Boris, sondern ihr damaliger Liebhaber Carsten habe sie zum Mitmachen gezwungen. Er habe sie geschlagen und ihr und ihren Kindern gedroht.
48:23
Ungeachtet dieser verschiedenen Aussagen ist die Staatsanwaltschaft immer noch überzeugt davon zu wissen, wer tatsächlich schuld ist. Davon gilt es auch, das Gericht zu überzeugen, unter anderem durch weitere Zeuginnen, die nicht nur deutlich machen, wer René unbedingt tot sehen wollte, sondern auch aus welchen Motiven heraus. Motive, die so verachtenswert sind, dass man sie kaum glauben kann.
48:47
Während Greta Carsten erzählt hatte, dass René ihr und den Kindern gegenüber gewalttätig gewesen sei, beschreiben mehrere Zeuginnen René nun vor Gericht ganz anders. Sie zeichnen das Bild eines liebevollen Vaters. Als solchen hat ihn auch die Freundin seines Bruders erlebt, der den Suchaufruf bei Facebook gepostet hatte.
49:05
Sie erzählt vor Gericht, René sei ein Herz und eine Seele mit den Kindern gewesen, sowohl mit seinem eigenen Sohn als auch mit seinen Stiefkindern. Gewalt habe es keine gegeben. René habe eher dazu geneigt, die Kinder zu verwöhnen, zum Beispiel indem er ihnen Brote schmierte, wenn sie sich das wünschten, obwohl sie dazu längst selbst in der Lage gewesen wären. Greta habe ihr auch nie davon erzählt, dass René sie geschlagen habe. Und sie könne sich das auch aufgrund von, Zitat, seiner schwächlichen körperlichen Konstitution kaum vorstellen.
49:35
Auch Gretas Schwester berichtet von einer normalen Beziehung zwischen René und den Kindern. Sie selbst hätten ihr Gegenüber ebenfalls nie erwähnt, dass René sie schlagen oder misshandeln würde. Auch Renés Mutter Waltraud beschreibt Renés und Gretas Ehe als normal. Sie habe zu keinem Zeitpunkt den Eindruck gewonnen, dass die beiden sich nicht verstünden. Beide hätten sich außerdem gleichermaßen um die Kinder gekümmert.
49:58
Dass René nicht der erste Mann ist, dem Greta Gewalt unterstellt, erzählt hingegen ihr Ex-Partner und Vater ihres ersten Sohnes vor Gericht. Also mir scheint, als ob die halt nicht in der Lage ist, stabile Beziehungen zu führen. Und auch so einen richtigen Zerstörungswillen gegenüber Ex-Partnern zu haben.
50:16
Und sich vielleicht auch nicht besonders gut, um die Kinder kümmern zu können.
50:22
Über ihren Ex-Partner, so erzählt er, habe sie ähnliche Gerüchte in die Welt gesetzt wie über René. Nämlich, dass er das Kind der beiden schlagen würde.
50:29
Erst Gespräche mit Polizei und Jugendamt und schließlich eine Verhandlung am Familiengericht hätten ergeben, dass Gretas Behauptungen falsch waren. Erst nach dieser Verhandlung hätte er seinen Sohn wiedersehen dürfen. Vorher hatte Greta ihm den Umgang verboten, berichtet der Mann.
50:44
Oh, ganz schlimm. Ich mag diese Frau wirklich gar nicht, ja.
50:50
Auch bei Gretas Entscheidung, René zu töten, anstatt sich von ihm scheiden zu lassen, sollen die Kinder laut Anklage eine entscheidende Rolle gespielt haben. Greta hatte demnach die Sorge, dass René bei einer Trennung das alleinige Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn für sich beanspruchen könnte.« Außerdem wollte sie laut Anklage verhindern, dass René rechtlich der Vater der damals ja noch ungeborenen Zwillinge wird. Das wäre nämlich wegen der Ehe der Fall gewesen, auch wenn René nicht der biologische Vater war. Diese Befürchtung hatte sie mit einer Bekannten besprochen und auch mit der Mutter ihres neuen Partners und Vaters der Zwillinge, der ja nicht Carsten ist.
51:28
Greta habe den beiden zufolge gedacht, sie könne sich noch vor der Geburt der Zwillinge von René scheiden lassen. Sie wollte eine Blitzscheidung, habe sie gesagt. Als die beiden sich jeweils darauf hingewiesen hatten, dass sie das Trennungsjahr abwarten müsse, habe Greta nur erwidert, sie habe gedacht, das gehe schneller. Sowohl dass René rechtlich der Vater der Zwillinge wird, als auch, dass er das Sorgericht des gemeinsamen Sohnes für sich beansprucht, wollte Greta laut Anklage unbedingt verhindern.
51:55
Da Greta klar war, dass sie die Tat nicht alleine wird ausführen könnten, habe sie laut Anklage einen Tag vor der Entführung die drei Mitangeklagten in ihren Plan eingeweiht, René zu verschleppen und zu töten. Carsten habe sie schon vorher entsprechend manipuliert, indem sie ihm erzählt hatte, dass René sie und die Kinder schlagen würde.
52:13
Greta habe dabei genau gewusst, dass Carsten zum einen zu Aggressivität neigt und zum anderen glaubte, er sei der neue Mann an ihrer Seite und ihr Beschützer. Boris und Anne-Marie soll Greta mit Geld gelockt haben, bei ihrem grausamen Plan mitzumachen. Schon im Juli 2019 hatte Greta demnach zwei Sterbegeldversicherungen über insgesamt 17.000 Euro abgeschlossen. Mit diesem Geld soll sie im Falle von Renées Tod gerechnet und einen Teil davon Boris und Anne-Marie angeboten haben.
52:41
Konkret hätten die vier darüber gesprochen, sich von dem Geld gemeinsam ein Haus mit Bauernhof zu kaufen. So hatte es Carsten ausgesagt. Dort wollten sie demnach gemeinsam leben. Und sollte noch genug Geld übrig bleiben, gemeinsam davon in den Urlaub fahren. Zukunftspläne, für die sie laut Anklage ein Menschenleben gewaltvoll beendeten.
53:02
Eine rohe, sinnlose Tat. Mit diesen Worten beschreibt der Staatsanwalt das Verbrechen in seinem Plädoyer am 26. Januar 2022. Er spricht von einem Feigenmord. Um René während des Prozesses nicht aus dem Blick zu verlieren, habe er sich immer wieder ein Foto von ihm angeschaut, sagt er. René sei ein liebevoller Vater gewesen, nicht gewalttätig oder aggressiv seiner Frau und den Kindern gegenüber, wie Greta es vor und nach der Tat mehrfach behauptet hatte.
53:30
Mit diesen Erzählungen habe sie ihr Umfeld manipuliert. Zum einen, um sich selbst als Opfer darzustellen, zum anderen, um die drei Mitangeklagten dazu zu bringen, ihr zu helfen. Es gebe mehrere Belege für die Schuld der vier Angeklagten. Neben den sich überschneidenden Aussagen der ZeugInnen sei das vor allem Carstens Geständnis. Als besonders kaltblütig wertet der Staatsanwalt in seinen Ausführungen, dass Greta René als vermisst gemeldet hatte, obwohl sie genau gewusst haben soll, wo er war.
53:58
Reue hätte niemand der vier Angeklagten gezeigt, ebenso wenig wie Anteilnahme. Alle hätten nur versucht, die Schuld von sich zu weisen und auf andere abzuwälzen. Der Staatsanwalt fordert für Greta und Boris jeweils lebenslange Haftstrafen wegen Mordes und Menschenraubes und zusätzlich die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.
54:17
Für Carsten hingegen fordert er nur 14 Jahre und 10 Monate Haft, ebenfalls wegen Mordes und Menschenraubes. Weil Carsten so zeitnah ausgesagt habe und damit eine wertvolle Aufklärungshilfe geleistet habe, mildere das die Strafforderung. Also das würde hier quasi unter die Kronzeugenregelung fallen, die wir ja auch schon öfter besprochen haben.
54:39
Ohne seine Aussage, so der Staatsanwalt, wäre die Polizei nicht so schnell zu einem Ermittlungsergebnis gekommen. Anne-Marie soll nach Forderung des Staatsanwalts 10,5 Jahre in Haft. Sie habe sich des Mordes durch Unterlassen und des Menschenraumes schuldig gemacht. Sie habe nur an Renés Entführung mitgewirkt, nicht an den anschließenden Misshandlungen. Aber sie sei bis zum Schluss voll informiert gewesen.
55:02
Genau eine Woche später halten die VerteidigerInnen ihre Plenoyers. Für Greta und Boris fordern sie Freisprüche und berufen sich dabei auf Verfahrensfehler. Vor allem kritisieren sie das Vorgehen der ErmittlerInnen des Polizeireviers Großenhain in den ersten hektischen Stunden des 19. Juni 2020, also dem Tag, an dem die Ermittlung offiziell begann.
55:23
Die ErmittlerInnen hätten Greta, Boris und Carsten zeitgleich befragt und sich im Hintergrund über die jeweiligen Vernehmungen ausgetauscht, kritisieren die VerteidigerInnen.
55:32
Und das sollte tatsächlich eigentlich nicht passieren, weil die Aussagen unabhängig voneinander entstehen sollten. Nur dann können die Ermittlungen ja vergleichen, ob sich Aussagen decken oder widersprechen. Wenn aber so ein Austausch stattfindet, der den Vernehmungsbeamtinnen hier jetzt vorgeworfen wird, dann kann es passieren, dass Vernehmungen quasi kontaminiert werden. Zum Beispiel, weil bewusst oder unbewusst Infos aus einer anderen Vernehmung einfließen. Und es kann auch passieren, dass sich eine gemeinsame Theorie verfestigt, die dann unbewusst die Fragen lenkt, die gestellt werden, weil die BeamtInnen voreingenommen sind.
56:07
Vor Gericht kann die Verteidigung dann, wie hier in unserem Fall, anzweifeln, ob eine Aussage frei und unbeeinflusst zustande gekommen ist und die betroffenen Aussagen deshalb nicht glaubhaft sind.
56:18
Die Verteidigung kritisiert außerdem, dass Greta, Boris und Carsten zu spät darüber informiert worden seien, dass sie nicht mehr als ZeugInnen, sondern als Beschuldigte befragt werden. Ihr Status habe sich schlagartig geändert. Demnach seien sie auch zu spät über ihre Rechte belehrt worden. Eine solche fehlende Belehrung trotz Beschuldigtenstatus führt dazu, dass die Aussagen, die die drei bei der Polizei gemacht haben, nicht vom Gericht verwertet werden dürfen. Doch zu den Vorwürfen selbst, die Greta und Boris gemacht werden, äußern sich die VerteidigerInnen nicht.
56:49
Carstens Anwältin fordert zwölf Jahre Haft. Sie betont eben auch, dass er mit seiner Aussage dabei geholfen hat, den Fall aufzuklären, weshalb er eben weniger Strafe verdient habe als die anderen. Für Anne-Marie fordert ihr Verteidiger drei Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Carsten ist der Einzige, der seine Stimme für ein letztes Wort erhebt.
57:12
Zitat, ich kann nur sagen, dass es mir leid tut, sagt er.
57:16
während die anderen drei mutmaßlichen MittäterInnen weiterhin schweigen und auch die letzte Gelegenheit verstreichen lassen, so kurz vor Prozessende noch etwas loszuwerden.
57:26
Und das steht am 9. Februar 2022 an. An diesem Mittwochmorgen öffnen sich die Türen des Gerichtssaals ein letztes Mal in dieser Verhandlung. Der Himmel vor den Fenstern ist bedeckt, als sich im Zuschauerraum des Großen Saals im Dresdner Landgericht rund 30 Menschen niederlassen. Die meisten sind aus Großenhain angereist, sind Angehörige von René, aber auch Familienmitglieder der Angeklagten. Dann betreten die Richter in den Gerichtssaal, bereit, das Urteil zu verkünden.
57:54
Carsten, Greta, Ann-Marie und Boris müssen wegen Mordes alle lebenslang ins Gefängnis. Für Greta, Renés Ehefrau und Boris, ihren Bekannten, stellt das Gericht zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Boris hatte sich laut Gericht besonders bei der brutalen Steinigung, wie das Gericht es nennt, von René hervorgetan. Außerdem sei das Leid, dass René durch die wiederholten Gewalttaten erleiden musste, weit über das erforderliche Maß hinausgegangen, das nötig gewesen wäre, um ihn zu töten.
58:23
Dieser Punkt fällt auch bei Greta ins Gewicht. Das Gericht sagt, dass Greta die, Zitat, Urheberin der Tat war. Die vier hätten sie aber gemeinsam geplant und gemeinsam durchgeführt, führt der Vorsitzende weiter aus. René habe sterben müssen, weil er seiner Frau im Wege stand. Der Richter spricht von einem geplanten Mord, einer grausamen Tat und einem qualvollen Leiden für René, der bis zu seinem Tod etwa zwei Tage schwer verletzt und allein in einem Waldstück liegen musste.
58:50
Mehrfach betont der Vorsitzende, wie empathielos die vier Angeklagten sich verhalten hatten. Während er noch einmal ausführt, was René alles ertragen musste, stehen einige der ZuschauerInnen auf und verlassen den Raum. Sie können die grausamen Schilderungen offensichtlich nicht länger ertragen.
59:07
Bei allen Angeklagten sieht das Gericht die Mordmerkmale der Grausamkeit und der Heimtücke als erfüllt an. René habe über mehrere Tage gelitten, sei qualvoll gestorben und sei bei seiner Entführung arg und wehrlos gewesen. Bei Greta kommen außerdem noch die niedrigen Beweggründe hinzu. Sie habe durch den Mord an ihrem Noch-Ehemann die Scheidung abkürzen wollen, indem sie ihn habe, Zitat, beseitigen lassen.
59:29
Er sei für sie nur noch ein Störfaktor gewesen, erklärt der vorsitzende Richter. Bei Boris und Anne-Marie sieht das Gericht zusätzlich noch das Motiv der Habgier gegeben, weil sie es auf das Geld aus der Sterbegeldversicherung abgesehen hätten. Eine Strafmilderung in Bezug auf den Strafrahmen für Carsten, wie das ja von der Staatsanwaltschaft gefordert wurde, gibt es also vom Gericht nicht.
59:52
Bei keinem der vier gäbe es Zweifel an der Schuld. Sie seien gegenüber Bekannten teilweise sehr offenherzig mit der Tat umgegangen und hätten immer wieder Andeutungen gemacht. Und so werden Carsten, Boris, Ann-Marie und Greta an diesem Februartag als verurteilte MörderInnen abgeführt. Wieso René in ihren Augen sterben musste, hat das Gericht beantwortet. Wieso er deshalb aber so unvorstellbar hatte leiden müssen, weiß niemand außer die vier TäterInnen selbst.
60:19
Und auf noch eine Frage wird es für Renées Mutter Waltraud keine Antwort geben. Was ihrem Sohn in seinen letzten Stunden in dem Waldstück beim Mitessen durch den Kopf ging. An wen oder was er dachte, bevor sein Herz aufhörte zu schlagen. Vielleicht an seinen Sohn, den er so gerne hatte wiedersehen wollen. Oder vielleicht doch an sie, seine Mutter, die ihn über alles auf der Welt liebte? Umgeben von Feldern liegt der Wald heute ruhig da, ganz anders als in den Junitagen im Jahr 2020. Nichts zeugt mehr von der grausigen Tat und den Qualen, die René dort durchleben musste.
60:52
Nichts von den stummen Schreien des 37-Jährigen.« Wer heute auf der schmalen Landstraße fährt, ahnt nicht, was sich hier zugetragen hat. So ruhig dürfte es in René in den Tagen und Stunden vor seinem Tod nicht ausgesehen haben. Er wusste, dass er sterben würde, gequält und allein zurückgelassen, unter anderem von der Frau, die er einst liebte und mit der er eigentlich wieder zusammenkommen wollte. Waltraud muss bis heute damit leben, dass ihr Sohn sterben musste, weil er sich in die falsche Frau verliebt hat. Und weil niemand unter den TäterInnen war, der oder die irgendwann die Reißleine zog.
61:28
Wir behandeln ja nicht so oft Mörderinnen. Gibt es ja einfach viel weniger als Männer. Und dass es dann aber auch noch mit so einer fiesen, hinterhältigen, kriminellen Energie ist. Also diese Frau vereint ja alles, was man generell im Umgang mit seinem Partner oder seiner Partnerin schrecklich findet. Also die ist nicht ehrlich. Die kann offenbar nicht alleine sein. Die guckt, was sie für Vorteile aus den Beziehungen zieht. Die betrügt. Ja, und die denkt offenbar ja nur an sich selber.
61:58
Also ich meine, die hat ja schon sehr viele Kinder. Und denkt man dann nicht vielleicht auch einmal an die, wenn man so einen Plan in Anführungszeichen aushackt? Ich meine, sie hat ja offenbar gedacht, damit davon zu kommen und hat sich da einen Plan gemacht. Aber man muss ja eigentlich auch die Possibilität mit einbeziehen, dass das auch schief gehen kann, wenn da drei weitere Leute beteiligt sind.
62:22
Dazu waren sie offenbar nicht imstande, auch wegen ihrer kognitiven Fähigkeiten, die sich vielleicht auch gar nicht richtig entwickeln konnten. Denn die kamen ja alle aus eher schwierigen Verhältnissen, waren auf Förderschulen, sind nach der 8. oder 9. Klasse abgegangen und standen ja teilweise auch unter gesetzlicher Betreuung.
62:41
Vielleicht haben sie sich auch deshalb am Ende alle gegenseitig beschuldigt, wie so Kinder im Kindergarten, wenn einer irgendwie das Spielzeug kaputt gemacht hat.
62:49
Was ich daran einfach so tragisch finde, ist, dass Greta entweder nicht in der Lage war oder nicht sehen wollte, dass René sowohl für ihren gemeinsamen Sohn als auch für ihre anderen Kinder ein guter Papa bzw. Ersatzpapa war. Ja.
63:05
Ja, wir hoffen, ihr seid gut mitgekommen.
63:07
Wir wissen, dass es zum Hören immer schwierig ist mit so vielen TäterInnen. Nächste Woche wird es wieder einfacher. Da geht es dann um einen Mordfall, bei dem ein Verdächtiger schnell gefunden ist, der aber nicht verurteilt wird. Und es geht um die Frage, was in Fällen passiert, wenn Menschen das Urteil der Justiz nicht akzeptieren wollen.
63:26
Bis dahin. Tschüss.
63:31
Das war ein Podcast der Partner in Crime in Zusammenarbeit mit Studio Bummens. Hosts Paulina Graser und Laura Wohlers. Redaktionelle Leitung John Hanschin und wir. Redaktion Lea Scheebaum und wir. Schnitt Pauline Korb. Rechtliche Abnahme und Beratung Abel und Kollegen.